Über die Besonderheiten der Zeit und Zeitzonen in Russland

Wenn es in Berlin 10:00 Uhr morgens ist, dann ist es inKamtschatka, der Vulkanregion im fernöstlichen Teil Russlands schon 19:00 Uhr abends. Wer hier hinfährt, um sich zum Beispiel das Tal der Geysire anzusehen, muss neun Zeitzonen durchqueren. In jeder dieser Zeitzonen wird die Uhr eine Stunde vorgestellt.

Die russische Zeitrechnung war zuletzt 1992 von der russischen Zentralregierung neu festgelegt worden. Im Frühjahr 2010 wurde die Einteilung in Zeitzonen allerdings verwaltungstechnisch vereinfacht (detaillierte Darstellung hier: Medwedews Zeitreform >>>).

(Der hier weiter folgende Text muss u.U. noch leicht aktualisiert und korrigiert werden)

Die Einteilung der russischen Zeitzonen richtet sich nicht ganz nach den Meridianen, sondern nach den Grenzen der Verwaltungsgebiete, der russischen Föderationssubjekte.
In einem Verwaltungsgebiet ist normalerweise nicht mehr als eine Zeitzone, damit die Uhren auch in allen Dörfern so gehen, wie in der Hauptstadt des Gebietes. Eine Ausnahme machen nur Jakutien und Sachalin. Weil das Verwaltungsgebiet Jakutien zu groß ist, gibt es hier drei Zeitzonen. Im Gebiet (Oblast) Sachalin ticken die Uhren nach Wladiwostoker und Magadaner Zeit, weil sich die nördlichen Kurilen-Inseln in der Madaganer Zeitzone befinden.

Wer mit dem Fernzug durch Russland fährt, braucht seine Uhr erstmal nicht umstellen. Alle Fahrpläne der Transsibirischen Eisenbahn sind auf die Moskauer Zeit abgestimmt, also plus zwei Stunden auf die mitteleurop�ische Zeit (MEZ). Zum Beispiel müssen bei einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn vonMoskau zum Baikalsee schon fünf Zeitzonen durchquert werden.

In der Regel sind in allen Fernzug-Bahnhöfen in Russland die Uhren auch auf Moskauer Zeit eingestellt, so kommen die Reisenden auch nicht durcheinander. Diese Zeitabstimmung gilt nur für den Fernverkehr.

Die Vorortzüge in den Städten und der gesamte regionale Verkehr fahren natürlich nach der jeweiligen Ortszeit.

Zum ersten Mal wurde im Jahr der Revolution 1917 die Sommerzeit in Russland eingeführt. Um die Tageshelligkeit besser auszunutzen, wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt.

Im Jahr 1930 beschloss dann Stalin die Sommerzeit auf das ganze Jahr zu verlängern und führte in der gesamten Sowjetunion die so genannte Dekretzeit ein. Stalin stellte auch die Zeit in den Dienst des Sozialismus. Der Diktatur des Proletariats mussten sich auch die Uhren unterordnen. Ein Ende hatte das erst mit der Perestroika Gorbatschows

Nach einigen Experimenten wurde schließlich während der Regierung Gorbatschow die Dekretzeit schließlich 1991 vollständig abgeschafft. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gingen auch in Russland die Uhren anders – nach denselben Prinzipien, wie in Westeuropa.

Seit 1992 wird die Uhr in Russland, wie in Westeuropa auch, am letzten Sonntag im März auf Sommerzeit und am letzten Sonntag im Oktober auf Winterzeit umgestellt.

Fachleute meinen allerdings, dass sich die Umstellung auf die Sommerzeit für Russland wenig lohnt. Es werden zwar nach Angaben des Stromkonzerns RAO EES stattliche 4,4 Milliarden Kilowattstunden eingespart. Eine beachtliche Menge Energie, deren Kosten, verteilt die russische Bevölkerung jedoch gering ist. Jeder der 141 Millionen Menschen, die in Russland leben, hätte nur 60 Rubel (1,70 Euro) im Jahr gespart – viel zu wenig, um die gesundheitlichen und sonstigen Schäden auszugleichen, die die Zeitumstellung anrichtet.

Darum gibt es seit einigen Jahren Diskussionen, die Sommerzeit in Russland wieder abzuschaffen.

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 16. April 2010 von admin | Anmelden